Christian Sewing: Bankenpräsident erwartet bis zu drei Prozent Inflation in den kommenden Jahren - DER SPIEGEL
Eine Rückkehr der Inflation auf das niedrige Level vor der Pandemie ist laut Christian Sewing höchst unwahrscheinlich. Der Chef des Bankenverbandes spricht stattdessen von einem »Etagenwechsel«.
Euroscheine (Symbolbild)
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Jens Büttner / dpa
Für das laufende Jahr rechnet die Bundesbank laut ihren jüngsten Prognosen in Deutschland mit einer Inflationsrate von 3,2 Prozent, im kommenden Jahr mit rund 3,6 Prozent. Und wenn es nach der Einschätzung von Bankenverbandspräsident Christian Sewing geht, dürfte sich an dieser Entwicklung auch absehbar wenig ändern.
Er rechnet nicht damit, dass die Inflation wieder auf das niedrige Niveau der Jahre vor der Corona-Pandemie sinken wird. »Beim Inflationstrend erleben wir gerade einen ›Etagenwechsel‹, also von Inflationsraten unter zwei Prozent im vergangenen Jahrzehnt zu Raten von voraussichtlich 2,5 bis drei Prozent in den nächsten Jahren«, sagte Sewing den Zeitungen der Funke Mediengruppe.
Zwar werde die aktuell sehr hohe Inflationsrate im kommenden Jahr allein aufgrund von statistischen Effekten wieder etwas sinken. Aber es gebe gleich mehrere Faktoren, die auch längerfristig die Preise treiben werden.
»Darunter der demografisch bedingte Fachkräftemangel oder der Umbau der Wirtschaft in Richtung Nachhaltigkeit. Hinzu kommt die Neujustierung der globalen Lieferketten. Zudem könnte mehr mobiles Arbeiten mancherorts die Gehälter in die Höhe treiben, weil auch Mittelständler in der deutschen Provinz plötzlich mit Jobs bei Großunternehmen aus den Metropolen konkurrieren müssen«, sagte der Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken, in dem die privaten Geldinstitute organisiert sind.
Lieferengpässe dürften sich abschwächen
Für das kommende Jahr erwartet Sewing, der auch Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank ist, ein Wirtschaftswachstum von rund vier Prozent. »Auch wenn der Start schwierig wird, sollten die wirtschaftlichen Belastungen durch die Pandemie im Frühjahr wieder nachlassen.«
Die derzeitigen Lieferengpässe dürften ebenfalls im Jahresverlauf nachlassen. »Das hohe Auftragspolster der Industrie bietet dann die Grundlage für eine recht dynamische Erholung im Sommer und Herbst nächsten Jahres.«
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