Langer Streit um T-Aktie: Klägern im Telekom-Prozess wird Vergleich angeboten - DER SPIEGEL
Im jahrelangen Streit zwischen Telekom und Kleinaktionären könnte es nun eine Lösung geben: Den Klägern wird vom Konzern ein Vergleich angeboten. Ein Richter riet beiden Seiten zum Kompromiss.
Pressekonferenz mit Telekom-Managern im Jahr 2000
Foto: Arne Dedert / dpa
Einer der größten und langwierigsten Anlegerschutz-Prozesse Deutschlands könnte mit einem Vergleich beendet werden. Im Rechtsstreit um den dritten Börsengang der Deutschen Telekom wird den Klägern ein Vergleich angeboten. Das Oberlandesgericht Frankfurt stimmte am Dienstag einem Vergleichsvorschlag des Bonner Konzerns zu. Bis Mitte 2022 sollen die rund 16.000 Kläger nun ein Angebot von der Telekom erhalten.
Bei Annahme erhalten sie den im Jahr 2000 geleisteten Kaufpreis zurück, von dem zwischenzeitlich gezahlte Dividenden und der ungefähre heutige Kurswert abgezogen werden. Aufgeschlagen werden hingegen 70 Prozent der üblichen Prozesszinsen. Die Aktien bleiben im Besitz der Anleger.
Nach fast 20 Jahren kommt die Deutsche Telekom damit im Streit mit Tausenden Kleinaktionären einer Lösung näher. Auf den Dax-Konzern könnten Ausgaben in dreistelliger Millionenhöhe zukommen. »Der Senat legt allen Beteiligten nahe, diesen Vergleich abzuschließen«, sagte der Vorsitzende Richter Bernhard Seyderhelm.
Ärger wegen US-Beteiligung
Auf die Lösung verständigten sich vor dem Oberlandesgericht Frankfurt maßgebliche Anlegerschutzanwälte und die drei Beklagten Deutsche Telekom, Bundesrepublik Deutschland und die Staatsbank KfW. Ob sie den Vergleich annehmen, entscheiden aber die einzelnen Kläger. Ihnen soll bis Ende Juni 2022 jeweils ein Angebot vorgelegt werden.
Kurz nach dem dritten Börsengang im Jahr 2000 gingen erste Klagen von Aktionären gegen die Telekom ein. Sie beschwerten sich, der Konzern habe im Börsenprospekt falsche Angaben im Zusammenhang mit der Beteiligung am US-Unternehmen Sprint gemacht. Laut einem Urteil des Bundesgerichtshofs 2014 wurden die Risiken in Bezug auf Sprint nicht ausreichend beschrieben.
Die Aktien waren im Juni 2000 zu einem Startkurs von 66,50 Euro in den Markt gekommen. Das Allzeithoch von 103,50 Euro lag damals schon mehrere Monate zurück. Heute notiert das Papier bei etwa 17 Euro und damit nicht allzu weit entfernt vom ursprünglichen Ausgabepreis 1996, also 28,50 D-Mark (14,57 Euro).
Rund 16.000 Kleinaktionäre hatten sich damals getäuscht gefühlt und seit 2001 beim Landgericht Frankfurt Klagen eingereicht. Ihre Kursverluste summierten sich nach ihren Angaben auf rund 80 Millionen Euro. Das zusammenfassende Musterverfahren ist bis heute nicht rechtskräftig abgeschlossen.
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