Nestlé beliefert ab November den deutschen Discounter Lidl nicht mehr mit Mineralwasser von Vittel.
Düsseldorf Die Kunden des Discounters Lidl werden bald vergeblich nach Wasser der Marke Vittel suchen. Ab November stellt Nestlé Waters die Belieferung ein. „Der bestehende Vittel-Vertrag zwischen Nestlé Waters Deutschland und Lidl Deutschland läuft Ende Oktober 2021 aus. Nach gemeinsamer Abstimmung wurde entschieden, den bestehenden Vertrag zu Vittel nicht weiter zu verlängern“, teilte Nestlé auf Nachfrage mit. Gründe nannte der Konzern nicht. Das „Manager Magazin“ hatte zuerst berichtet.
Lidl gilt als wichtigster Abnehmer von Vittel-Mineralwasser hierzulande. Dass die Belieferung des Discounters nun ausläuft, markiert einen weiteren Schritt beim Rückzug von Nestlé aus dem Wassergeschäft. Wie es mit anderen Handelspartnern von Vittel in hierzulande weitergeht, ließ der Konzern offen. Zum Stand der jährlichen Verhandlungen will Nestlé nichts sagen.
Das Wassergeschäft des weltgrößten Konsumgüterherstellers steht seit Jahren in der Kritik von Umweltschützern: zum einen wegen der intensiven Nutzung der Quellen, zum anderen wegen des Plastikmülls durch PET-Einwegflaschen. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hatte Vittel 2019 den Negativpreis „Goldener Geier“ verliehen. „Die Vittel-Einweg-Plastikflaschen sind umweltschädigend, weil sie für jeden Abfüllprozess energie- und ressourcenintensiv neu hergestellt werden müssen“, so die Kritik.
Dass Vittel die meisten Flaschengrößen hierzulande auf 100 Prozent Recyclat umgestellt hat, konnte die sinkende Beliebtheit der PET-Flaschen nicht stoppen. Die DUH moniert zudem, dass Vittel-Wasser aus Frankreich über weite Strecken nach Deutschland transportiert werde, obwohl es hierzulande mehr als 100 Mineralbrunnen in der Region gebe.
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Kranwasser macht Mineralwasser Konkurrenz
Das Wasser stammt aus dem Ort Vittel in den Vogesen. Der Grundwasserspiegel dort sinkt seit Jahren, weshalb Nestlé die Entnahmemenge herunterfuhr. Der Konzern entnimmt rund ein Viertel des geförderten Grundwassers in Vittel. Nach heftiger Kritik wurden Pläne, die Einwohner per Pipeline mit Wasser zu versorgen, wieder gestrichen. Wilde lokale Mülldeponien mit Vittel-Plastikflaschen hat Nestlé begonnen zu sanieren.
Der viel kritisierte Konzern zieht sich aus dem globalen Wassergeschäft immer mehr zurück. Ohnehin ist die Sparte die margenschwächste der Gruppe. Im ersten Halbjahr lag die operative Ergebnismarge bei 8,9 Prozent, im ganzen Konzern bei 17,4 Prozent. Wasser trug zuletzt gerade mal fünf Prozent zum Umsatz bei.
2020 hatten die Schweizer bereits ihr Wassergeschäft in China abgestoßen. Ende März 2021 verkauften sie in Nordamerika ihre regionalen Quellwassermarken, das Geschäft mit aufbereitetem Flaschenwasser und die Getränkelieferdienste für 4,3 Milliarden Dollar. Zeitgleich übernahm Nestlé Essentia Water, eine US-Premiummarke für funktionelle Wasserprodukte.
Der Zukauf ist Teil der neuen Strategie. „Nestlé richtet das globale Wassergeschäft neu aus und verstärkt den Fokus auf internationale Premium- und Mineralwassermarken sowie auf Produkte für eine gesunde Flüssigkeitsaufnahme“, schreiben die Schweizer. Dazu gehört auch der Einstieg ins Wassersprudlergeschäft mit Refill plus. Leitungswasser wird immer beliebter.
In der deutschen Wassersparte von Nestlé rumort es schon länger. Im Juni erst gaben Landeschef Marc Hunold und Handelschef Ingo Swoboda ihre Posten auf. Versuche, Vittel angesichts des Plastikbashings in Glas-Mehrweg-Gebinden im Einzelhandel anzubieten, wurden laut Branchendienst „Inside Getränke“ wieder aufgegeben. Auch die PET-Mehrwegkiste verschwand demnach wieder vom Markt.
Nestlés Wassersparte versiegt hierzulande immer mehr. Zur Jahrtausendwende war sie vom Umsatz noch führend – zumindest bei Markenwassern. 2020 rangierte Nestlé Waters vom Absatz nur noch auf Rang elf der deutschen Mineralbrunnen. Dabei wurden auch Erfrischungsgetränke erfasst. Der Absatz sank um 4,6 Prozent auf 403 Millionen Liter, schätzt der Branchendienst „Getränke Info“. Größter deutscher Mineralbrunnen ist heute die Lidl-Mutter Schwarz.
Lebensmittelkonzern: Nestlé stellt Vittel-Lieferung an Lidl ein – Warum Mineralwasser zum Auslaufmodell wird - Handelsblatt
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