
Marktbericht
Stand: 22.10.2021 13:01 Uhr
Ein wichtiger Frühindikator sorgt für Ernüchterung: Die deutsche Konjunktur bewegt sich in Richtung Stagnation. In Kombination mit steigenden Inflationsraten ergibt sich daraus eine ungute Mischung für die Aktienmärkte.
Die Stagflation, also die Kombination aus wirtschaftlichem Stillstand und steigenden Preisen, gilt nicht nur an der Börse als Schreckgespenst. Notenbanker stellt dieses Szenario vor eine komplizierte Entscheidung: Entweder sie bekämpfen die Inflation mit einer Straffung der Geldpolitik und riskieren dadurch, die Wirtschaft noch weiter abzuwürgen - oder sie lassen die Inflation ungebremst laufen und riskieren so den Kontrollverlust.
Einkaufsmanagerindizes überraschen negativ
Ob Deutschland respektive die Eurozone tatsächlich auf eine Stagflation zusteuert, ist unter Ökonomen umstritten. Doch die Alarmsignale aus der Wirtschaft mehren sich. So hat sich die Unternehmensstimmung sowohl in Deutschland als auch in der Eurozone im Oktober überraschend stark eingetrübt, wie die Marktforscher von IHS Markit heute mitteilten.
"Damit geben die Einkaufsmanagerindizes insgesamt ein warnendes Signal", unterstreicht Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen. Ein Ende des starken, durch die Lieferengpässe verursachten Preisanstiegs sei kurzfristig nicht in Sicht. "Die Wirtschaft wird im vierten Quartal weiter an Fahrt verlieren und wohl kaum noch zulegen."
Doch mit solch mittel- bis langfristigen Überlegungen wollen sich die Anleger heute offensichtlich nicht groß beschäftigen. Zum Wochenschluss ist nach einer sorgenvollen Woche erst einmal Erleichterung angesagt. Der DAX zieht zur Mittagszeit in der Spitze um 0,8 Prozent an.
Das vorläufige Tageshoch liegt bei 15.593 Punkten. Damit schreckt der deutsche Leitindex einmal mehr vor der runden Marke von 15.600 Zählern zurück. Das Monatshoch im DAX liegt bislang bei 15.599 Punkten und datiert vom 15. Oktober.
Positive Nachrichten aus China treiben zum Wochenschluss die Kurse an den globalen Aktienmärkten. Der chinesische Immobilienkonzern Evergrande hat die Märkte zur Abwechslung mal positiv überrascht und mit einer Zinszahlung den drohenden Zahlungsausfall fürs Erste abgewendet. Damit hat sich das Unternehmen etwas Zeit verschafft.
Doch schon nächste Woche läuft die nächste 30-Tage-Nach-Frist für eine eigentlich am 30. September fällig gewesene Zinszahlung ab. Das Zittern und Bangen der Anleger ob des weiteren Schicksals des chinesischen Immobilienkonzerns und seiner Auswirkungen auf die globalen Finanzmärkte dürfte also weitergehen.
Die kurzfristig positiven Nachrichten von der Evergrande-Front dürften auch die Börsen in den USA nicht kalt lassen. An der Wall Street sollte es zum Handelsstart erst einmal leicht bergauf gehen. Der Future auf den US-Leitindex Dow Jones Industrial Average notiert zur Stunde 0,1 Prozent höher.
Kurz nach Eröffnung der Wall Street könnte dann die Veröffentlichung der Einkaufsmanagerindizes Gewerbe und Dienste für die USA im Oktober für neue Kursimpulse sorgen.
Die freundliche Stimmung an den Aktienmärkten kommt dem Euro zugute. Die europäische Gemeinschaftswährung zieht 0,2 Prozent an auf 1,1641 Dollar. Der "sichere Hafen" US-Dollar gerät hingegen gegenüber vielen wichtigen Währungen unter Druck.
Die steigende Risikolust der Anleger kommt auch den Ölpreisen zugute. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent steigt um 1,1 Prozent auf 85,06 Dollar. Die Ölpreise profitieren dabei auch von dem Dollar-Verfall. Da sie in Dollar notieren, vergünstigt ein billigerer Dollar Öl im Nicht-Dollar-Raum, das stärkt wiederum die Nachfrage nach dem schwarzen Gold.
Darüber hinaus bleiben am Ölmarkt Angebotssorgen das bestimmende Thema. Im Verlauf der Woche hatten die Ölpreise mehrjährige Höchststände erreicht.
Die Kryptowährung Bitcoin entfernt sich zum Wochenschluss weiter von ihrem im Wochenverlauf markierten Rekordhoch. Auf der Plattform CoinMarketCap notiert die Cyberdevise bei knapp 63.0000 Dollar. Im Wochenverlauf war der Bitcoin erstmals über die Marke von 66.000 Dollar gestiegen, nachdem in den USA der erste Bitcoin-Futures-ETF an den Markt gegangen war.
Der französische Autohersteller Renault rechnet wegen des anhaltenden Chipmangels mit höheren Produktionsausfällen als bisher angekündigt. Es dürften dieses Jahr rund 500.000 Fahrzeuge weniger die Renault Werke verlassen, teilten die Franzosen mit. Anfang September habe das Unternehmen noch mit einem Minus von nur 220.000 Autos gerechnet.
Die Gespräche des iPhone-Konzerns mit den chinesischen Unternehmen CATL und BYD über die Lieferung von Autobatterien für seine geplanten Elektroautos sind Insidern zufolge ins Stocken geraten. Apple hoffe, dass wieder Schwung in die Verhandlungen kommt, sagte ein Insider, habe aber inzwischen japanische Anbieter in das Visier genommen. Darunter sei auch Panasonic. Insidern zufolge will Apple ein Elektroauto bis 2024 auf den Markt bringen.
Der südkoreanische Batteriehersteller Samsung SDI und der Autobauer Stellantis gründen ein Gemeinschaftsunternehmen zur Produktion von Batteriezellen in den USA. Eine entsprechende Vereinbarung über ein Joint Venture zur Herstellung von Batteriezellen und Batteriemodulen sei geschlossen worden, teilte Samsung SDI mit. Die in dem neuen Werk produzierten Batterien würden an die Stellantis-Fabriken in den Vereinigten Staaten, Kanada und Mexiko geliefert.
Die Firma hinter der populären Foto-App Snapchat hat mit ihren Zahlen zum vergangenen Quartal die Umsatzerwartungen verfehlt. Snap war die erste Social-Media-Firma, die in der laufenden Bilanzsaison Einblick in ihre Bücher gab. Nachbörslich rauschten Snap-Aktien bis zu 30 Prozent in die Tiefe und zogen andere Social-Media-Werte mit nach unten: Facebook und Twitter verloren sechs und sieben Prozent.
Der Halbleiter-Riese Intel verdient inmitten der globalen Chip-Knappheit deutlich mehr Geld. Der Umsatz legte im vergangenen Quartal im Jahresvergleich um fünf Prozent auf 19,2 Milliarden Dollar zu, wie Intel gestern nach US-Börsenschluss mitteilte. Unter dem Strich blieb ein Gewinn von 6,8 Milliarden Dollar übrig - ein Sprung von 60 Prozent.
Der französische Kosmetikkonzern L'Oreal hat seinen Wachstumskurs auch im dritten Quartal fortgesetzt. Die anhaltende Erholung im Schönheitsmarkt ließ den Umsatz um 13,6 Prozent auf knapp acht Milliarden Euro steigen. Dabei entwickelten sich insbesondere der nordamerikanische sowie der chinesische Markt robust. Mit seinen Zahlen übertraf L'Oreal die Erwartungen der Analysten.
Google senkt nach Kritik von Software-Entwicklern und Politikern die Abgabe für Abonnements, die über die App-Plattform des Konzerns abgeschlossen werden. Bisher mussten App-Entwickler zunächst 30 Prozent vom Abo-Preis an Google abtreten, nach einem Jahr sank die Abgabe auf 15 Prozent. Jetzt werden es von Anfang an 15 Prozent sein.
Der Crash eines Tesla-Elektroautos in Texas, der im April für Schlagzeilen sorgte, war nach Erkenntnissen von Unfallermittlern doch weniger mysteriös als es der örtlichen Polizei zunächst vorkam. Die lokalen Beamten hatten damals den Eindruck gewonnen, dass bei dem Unfall niemand am Steuer saß. Die renommierte Ermittlungsbehörde NTSB kam nun aber zu dem Schluss, dass beide Vordersitze beim Aufprall belegt waren und der Fahrer auf das Beschleunigungspedal drückte.
DAX zum Start höher: Anleger erstmal erleichtert | tagesschau.de - tagesschau.de
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