
Marktbericht
Stand: 15.10.2021 12:40 Uhr
Der DAX gleitet trotz starker US-Vorgaben nur mit leichten Gewinnen ins Wochenende. Nach dem rasanten Anstieg der vergangenen Tage nehmen die Anleger heute eine Auszeit - bis frische Impulse den Markt wieder bewegen.
Der DAX klebt mit einem Plus von rund 0,4 Prozent bei knapp über Vortagesniveau und mäandert entlang der Marke von 15.500 Punkten. Bislang gelingt es dem deutschen Leitindex nicht, die runde Marke nachhaltig hinter sich zu lassen, obwohl die US-Börsen gestern starke Vorgaben geliefert hatten. Allerdings war der DAX in dieser Woche schon deutlich unter 15.100 Punkten gefallen, seit Dienstag hat er mehr als 400 Punkte aufgeholt.
Insofern ist es nicht verwunderlich, dass sich die Investoren mit weiteren Käufen zurückhalten, solange keine neuen Argumente für Aktien sprechen. Aktuell steuert der Index auf ein Wochenplus von rund zwei Prozent zu.
Energiepreise und Berichtssaison im Fokus
Für die charttechnisch argumentierenden Marktbeobachter von Index Radar ist eine Unterbrechung des Anstiegs auf diesem Niveau sehr wahrscheinlich, enden müsse die Erholung aber nicht: "Hält die Nachfrage an, wird ein klares Stärkezeichen generiert." Die 15.500-Punkte-Marke leiste Widerstand, meint Christian Henke von IG Markets. "Bleibt der Ausbruch nach oben aus, könnte es zu einer Rücksetzer in Richtung der Unterstützung bei 15.369 Zählern kommen."
Aus fundamentaler Sicht halten die Analysten der Helaba das aktuelle Aufwärtspotenzial ohnehin für begrenzt, da die Bewertungsniveaus der internationalen Aktienmärkte nicht günstig seien. Umso wichtiger ist es deshalb, dass die Unternehmen in der laufende Berichtssaison mit starken Bilanzen und optimistischen Ausblicken zu überzeugen vermögen.
"Vor allem die steigenden Energiepreise können die Märkte noch in die Knie zwingen", sagte Walter Vorhauser, Händler für ODDO BHF in Frankfurt. "Eine erfolgreiche Berichtssaison sollte die Märkte aber unterstützen."
Der Bitcoin knackte auf der Handelsplattform Bitstamp das erste Mal seit Mitte April wieder die Marke von 60.000 Dollar. Das Allzeithoch liegt bei knapp 65.000 Dollar. "Anleger sehen im digitalen Gold womöglich eine bessere Inflationsabsicherung als im physischen Gold", schreiben die Analysten der LBBW in einem Kommentar. Allein in diesem Monat hat Bitcoin rund 37 Prozent an Wert zugelegt. Gold kommt im selben Zeitraum auf ein Plus von bis zu 2,5 Prozent.
Derzeit sorgen vor allem Energiepreise, aber auch coronabedingte Nachholeffekte für anhaltenden Inflationsdruck. Treiber der jüngsten Bitcoin-Rally sind laut Analyst Timo Emden von Emden Research aber auch Spekulationen auf die Zulassung des ersten börsengehandelten Fonds auf Grundlage von Futures-Kontrakten in den USA. Die US-Börsenaufsicht SEC ist laut Bloomberg bereit, den Handel mit dem ersten US-Bitcoin-Futures-ETFs ab nächster Woche zu erlauben.
Die Ölpreise sind am Freitag weiter gestiegen und könnten zusätzlichen Druck auf die Aktienmärkte ausüben, weil die hohen Energiekosten die Konjunktur drohen abzuwürgen. Heute kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent erstmals seit Oktober 2018 mehr 85 Dollar. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) kostete über 82 Dollar.
Aufgrund der stark steigenden Preise für Gas und Kohle ist vorerst auch am Erdölmarkt keine Entspannung in Sicht. Da Erdöl begrenzt als Ersatz für andere Energieträger verwendet werden kann, greift die Energieknappheit zunehmend auf den Ölmarkt über. Gründe für die Preisrally sind Experten zufolge sowohl Engpässe auf der Angebotsseite als auch die konjunkturell bedingt steigende Nachfrage.
China: Milliardengeschäft mit US-Flüssigerdgas?
US-Gasexporteure könnten von der globalen Energiekrise profitieren: Große chinesische Unternehmen befinden sich Insidern zufolge in fortgeschrittenen Gesprächen mit US-Exporteuren über einen milliardenschweren Vertrag zur Lieferung von Flüssigerdgas (LNG). Mindestens fünf Konzerne verhandelten darüber, darunter die staatliche Sinopec und die China National Offshore Oil Company (CNOOC), sagten mehrere mit dem Sachverhalt vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Das Geschäft könnte sich auf einen Wert von Dutzenden Milliarden Dollar belaufen.
"Wir erwarten, dass noch vor Jahresende Verträge unterzeichnet werden", sagte einer der Beteiligten aus Peking. "US-Lieferungen sind jetzt attraktiv." Auf US-Seite werde hauptsächlich mit Cheniere Energy und Venture Global verhandelt. Sinopec allein könnte etwa Lieferungen über vier Millionen Tonnen jährlich ins Auge fassen, sagte einer der Insider. Die Unternehmen wollten sich auf Nachfrage zunächst nicht äußern.
Die Anteilseigner von Rio Tinto müssen heute mit Kursverlusten leben, da der Bergbaukonzern bei mehreren Rohstoffen nun mit geringeren Fördermengen rechnet als bisher. Der Grund ist die verzögerte Inbetriebnahme von neuen Minen wegen Arbeitskräftemangel in Westaustralien. Schon Mitte Juli hatte Rio Tinto bestimmte zuvor prognostizierte Förder- und Auslieferungsmengen in Gefahr gesehen.
Die Chip-Krise lastet weiter auf dem Automarkt in Europa. Die Zahl der Pkw-Neuzulassungen sei im September um 23 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat auf 718.598 Stück gesunken, teilte der europäische Herstellerverband ACEA mit. Das sei der niedrigste September-Wert seit 1995. Ursache sei vor allem der Mangel an Halbleitern.
Die größten Automärkte in der EU, Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, verzeichneten allesamt im September prozentual zweistellige Rückgänge. Von Januar bis September zählte ACEA ein Plus von 6,6 Prozent auf 7,5 Millionen Fahrzeuge gegenüber dem von der Corona-Pandemie belasteten Vorjahreszeitraum.
Der japanische Autoriese Toyota wird wegen des Chipmangels weiterhin weniger produzieren als ursprünglich geplant. Der Konzern geht nun für November von der Herstellung von 850.000 bis 900.000 Autos weltweit aus. Eigentlich hatten die Japaner für den Monat eine Produktion von einer Million Fahrzeugen eingeplant, auch um den Rückstand aus den vom Chipmangel belasteten Monaten September und Oktober etwas aufzuholen. An seinem derzeitigen Produktionsziel für das Geschäftsjahr 2021/22 (bis Ende März) mit neun Millionen Fahrzeugen will Toyota festhalten.
Die Problemserie bei Boeings Pannenjet 787 "Dreamliner" reißt nicht ab. Ein Zulieferer habe mitgeteilt, dass einige 787-Bauteile nicht korrekt hergestellt worden seien, gab der Flugzeugbauer bekannt. Zugleich betonte Boeing, dass es nach bisherigen Erkenntnissen keine Sicherheitsbedenken bei den aktuell fliegenden Maschinen gebe. Man werde mögliche Nachbesserungen bei der 787-Flotte mit der US-Luftverkehrsaufsicht FAA abstimmen.
Das "Wall Street Journal" hatte zuvor berichtet, einige Titan-Bauteile seien schwächer als vorgesehen gefertigt worden. Boeing habe sie bei zwei noch nicht ausgelieferten Maschinen bereits ausgetauscht, hieß es unter Berufung auf informierte Personen.
Der Modekonzern Hugo Boss blickt optimistischer auf das Gesamtjahr. Der Umsatz dürfte 2021 währungsbereinigt um 40 Prozent höher liegen als im Vorjahr. Zuvor war Hugo Boss von einem Anstieg um 30 bis 35 Prozent ausgegangen. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) soll nun bei 175 bis 200 Millionen Euro liegen (zuvor: 125-175). 2020 hatte Hugo Boss 1,9 Milliarden Euro erlöst und beim Ebit ein Minus von 236 Millionen Euro erwirtschaftet.
Im dritten Quartal war der Umsatz vorläufigen Zahlen zufolge "dank der weiteren spürbaren Erholung des globalen Geschäfts" währungsbereinigt um 42 Prozent auf 755 Millionen Euro gestiegen. Damit hätten erstmals zum Vor-Pandemieniveau Umsatz und Gewinn zugelegt, hieß es in der Mitteilung weiter.
15.500 Punkte umkämpft: DAX gleitet vorwärts | tagesschau.de - tagesschau.de
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