Anleger, die Aktien kaufen wollen, ziehen häufig Analystenstimmen zu Rate. In der vergangenen Handelswoche haben wieder zahlreiche Experten zum Einstieg in Aktien geraten. Diese Anteilsscheine wurden von den Analysten zum Kauf empfohlen.
Nachhaltig und mit gutem Gewissen Geld anlegen: Diese Idee steckt hinter sogenannten Green Bonds. Von heute an gibt die Europäische Union solch grüne Anleihen aus. Doch wie grün sind sie wirklich?
Von Holger Beckmann, ARD-Studio Brüssel
Noch ist in der Europäischen Union überhaupt nicht endgültig geklärt, wieviel Grün in den sogenannten Green Bonds, den grünen Geldanleihen, eigentlich stecken soll, da kommen sie auch schon auf den Markt - erst einmal für Großinvestoren, später auch für Kleinanleger. In den kommenden fünf Jahren will die EU-Kommission mit diesen ökologischen Schuldscheinen insgesamt 250 Milliarden Euro einsammeln - Geld, das in den riesengroßen europäischen Corona-Rettungsfonds mit dem Namen "Next Generation EU" fließen soll, der ja über gemeinsame Schulden der EU-Staaten finanziert wird. Die Green Bonds sind ein entscheidender Pfeiler der Finanzierung; sie machen etwa ein Drittel des gesamten Volumens aus.
Holger BeckmannARD-Studio Brüssel
Grüne Anleihen bei Anlegern immer beliebter
EU-Haushaltskommissar Johannes Hahn spricht stolz davon, dass die Europäische Union damit weltweit die meisten Öko-Schuldscheine herausgeben werde - zumindest langfristig. Allerdings hatten in den vergangenen Monaten bereits einige europäische Mitgliedsstaaten eigene Bonds herausgegeben, darunter Deutschland, die Niederlande, Frankreich und Spanien. Dem EU-Haushaltskommissar zufolge wird der Markt für solche Anleihen in den nächsten Jahren immer attraktiver. Investoren suchten schon jetzt gezielt nach grünen Geldanlagen, denn es wachse die Überzeugung, dass der Umbau der Wirtschaft hin zur CO2-Neutralität nicht mehr aufzuhalten sei.
Also will die EU möglichst früh dabei sein und für Anleger möglichst attraktiv. Das Ganze hat allerdings einen Schönheitsfehler - noch zumindest. Denn bisher gibt es noch keine einheitlichen EU-Standards dafür, wie viel Grün in der europäischen Anlage genau stecken muss. Zwar wird garantiert, dass die Gelder für die Schuldscheine in Klimaschutzprojekte fließen; in die Entwicklung CO2-neutraler Transportketten etwa, in die Gebäudesanierung oder auch in den Ausbau erneuerbarer Energien. Exakte Definitionen, was das genau heißt, fehlen bisher jedoch. Als Richtgröße gelten internationale Standards, nicht die europäischen.
Skeptikern fehlt klare Definition
Der Europaparlamentarier und Finanzexperte Damian Böselager von der Europäischen Volt-Partei bringt das so auf den Punkt: Ohne ganz genau zu definieren, was eine grüne Anleihe wirklich sei, und ohne zu erklären, wozu genau das Geld verwendet werde, gebe die Kommission schon eine solche Anleihe heraus. Das sei ein Problem. Man könnte auch sagen: Hier wird der zweite Schritt vor dem ersten gemacht.
Sichtbar wird das beispielsweise beim Erdgas: Eigentlich hält Brüssel das nicht für eine zukunftsträchtige Energie, schließlich ist die Verbrennung von Erdgas nicht klimaneutral. Trotzdem können Investitionen in die Energieversorgung mit Erdgas mit Green Bonds finanziert werden - dann jedenfalls, wenn es um Fernwärme geht. Für Atomenergie dagegen, so der Haushaltskommissar, kämen grüne Anleihen nicht in Frage.
Zankapfel Kernkraft
Doch ob das auf Dauer so bleibt und was in Zukunft überhaupt als Klimaschutzinvestition in der EU gilt, darüber wird in Brüssel und in den europäischen Hauptstädten nach wie vor diskutiert. Es geht um die sogenannte Taxonomie in der EU, mit der solche Investments klassifiziert werden. Die Atomkraft ist dabei der offensichtlich größte Streitpunkt.
Frankreich besteht darauf, dass elektrischer Strom aus Kernreaktoren in Europa als klimaneutral gelten muss. Denn bei der Stromversorgung spielt Atomkraft in Frankreich nach wie vor die wichtigste Rolle. Paris will darüber keine Debatte - und bekommt Unterstützung aus vielen osteuropäischen Ländern, die ebenfalls auf Kernenergie setzen. In Deutschland oder Dänemark sieht man das ganz anders. Noch in diesem Jahr soll die Taxonomie zur Klimaneutralität in der EU genau definiert werden: Kompliziert, heißt es aus der Brüsseler Kommission dazu.
Orientierung am Corona-Rettungsfonds
Doch den europäischen Green Bonds tut das keinen Abbruch. Bis eigene Standards fest gesetzt werden, orientiert man sich bei ihnen deshalb an den Regeln, die auch für die Verwendung der Gelder aus dem großen Corona-Rettungsfonds gelten. Denn auch diese Mittel müssen von den Mitgliedsstaaten zu rund einem Drittel für Klimaschutzprojekte ausgegeben werden. Und da gibt es durchaus Vorschriften. Beispielsweise für Investitionen in die Gebäudesanierung: Nur solche gelten als grün, wenn sie mindestens 40 Prozent des Energiebedarfs eines Gebäudes einsparen.
So soll es zumindest sein. Jetzt komme es darauf an, die Verwendung der Gelder in der Praxis auch genau zu prüfen und transparent zu machen, mahnt Europaparlamentarier Böselager an. Das soll dafür sorgen, dass Europa beim Klimaschutz den richtigen Kurs nimmt und dass Anlegern, die Europas Schulden mit dem Kauf grüner Anleihen finanzieren, ein grünes Investment nicht nur vorgegaukelt wird - nach dem Motto: Es grünt so grün, aber mehr auch nicht. Den Europäischen Green Bonds könne man voll und ganz trauen, heißt es aus der Kommission. Ob die Anleger das tun, wird sich von heute an zeigen. In Brüssel jedenfalls geht man fest davon aus.
Angesichts des verschärften Mangels an Halbleitern und anderen Vorprodukten in der Automobilindustrie hat die Beratungsgesellschaft Boston Consulting ihre Prognose für die globalen Produktionsausfälle deutlich nach oben korrigiert.
„Wir gehen davon aus, dass zehn bis elf Millionen Fahrzeuge in diesem Jahr nicht gebaut werden können“, sagte Albert Waas, Partner bei Boston Consulting, gegenüber WELT AM SONNTAG.
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Noch vor einem Monat hatte er die Ausfälle auf sieben bis acht Millionen Wagen geschätzt. Für das kommende Jahr rechnet Boston Consulting global mit einem Minus von fünf Millionen Autos.
„Der Chipmangel bremst die wirtschaftliche Erholung der Autoindustrie nach Corona ab“, sagte Waas.
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Mit einer Erholung auf das Niveau vor der Corona-Krise rechnet Waas auch langfristig nicht. „Wir werden in Europa nicht mehr die Produktionszahlen erreichen, die wir vor der Krise hatten“, sagte Waas.
Er rechne zwar nicht mit einer Welle von Fabrikschließungen, allein schon wegen der starken Rolle der Gewerkschaft. Dennoch werde es weitere Verlagerungen nach Osteuropa und China geben. Werke in Europa, die sich nicht rechnen, könnten ja auch verkauft oder anders genutzt werden.
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Seit neun Monaten steigt der Preis für Erdgas immer weiter und erreichte zuletzt ein Allzeithoch. Am Freitag kostete eine Megawattstunde (MWh) des fossilen Energieträgers an der Terminbörse ICE rund 100 Euro – ein Rekord. Normalerweise schwankt der Preis im Jahresdurchschnitt zwischen 15 und 20 Euro pro MWh.
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Die Knappheit an Halbleitern bremst den Absatz der Autohersteller offenbar stärker als bislang bekannt. Ein Problem ist das bisher eher für die Kunden als für die Konzerne.
Produktion des ID.3 bei VW in Dresden
Foto: Paul Langrock
Die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC hat berechnet, dass bis zum Jahresende weltweit bis zu elf Millionen Autos weniger produziert und verkauft werden als im Vorjahr, weil VW, Daimler, BMW und andere Hersteller nicht an genügend Chips kommen, um die Nachfrage zu bedienen. Auch Rohstoffe wie Stahl sind knapp, was die Produktion zusätzlich behindert.
»Die Probleme haben sich im dritten Quartal verschärft und werden bis weit in das nächste Jahr andauern«, sagt Felix Kuhnert, Leiter des Bereichs Automotive bei PwC. Auch eine vierte Coronawelle könne den Absatz in einigen Märkten drosseln. Aus bereits vorliegenden gesicherten Daten bis Mitte September ergibt sich, dass allein im dritten Quartal 3,8 Millionen Fahrzeuge weniger ausgeliefert werden dürften. Auch im Schlussviertel werde sich der Ausfall auf mehr als drei Millionen summieren, schätzt PwC.
Die Unternehmensberatung AlixPartners hatte den Ausfall infolge der Engpässe bei Halbleitern noch vor Kurzem auf knapp acht Millionen Einheiten taxiert. Die Lage hat sich jedoch zuletzt weiter verschlechtert. Daimler-Chef Ola Källenius kündigte Anfang Dezember an, der Absatz bei Mercedes werde wegen der Lieferschwierigkeiten von Chipherstellern in Taiwan und anderswo im dritten Quartal hinter dem zweiten Quartal zurückbleiben.
Der Absatz seit Jahresbeginn liegt nach Berechnungen von PwC in Westeuropa zwar um knapp 13 Prozent höher als im ersten Coronajahr 2020, ist aber noch immer rund ein Viertel niedriger als 2019, dem letzten Jahr vor der Pandemie.
Bislang ist es den Autobauern trotz der Lieferengpässe gelungen, ihre Gewinne hochzuhalten, indem sie die knappen Halbleiter vor allem in den größten Gewinnbringer verbauten. Der Münchner BMW-Konzern hat gerade seine Ergebnisprognose für dieses Jahr nach oben korrigiert. »Anhaltend positive Preiseffekte bei den Neu- und Gebrauchtwagen« würden die negativen Absatzeffekte überkompensieren. Kunden müssen beim Autokauf teils längere Wartezeiten in Kauf nehmen und sind offenbar bereit, höhere Preise zu zahlen.